Besser als der erste, warte noch immer auf 28 months later.
Als Fan des Horror-Genres ist man von Fortsetzungen ja so einiges gewöhnt. Allzu oft versucht man mit billigen Sequels im Fahrwasser des beliebten Originals an dessen Erfolg mitnaschen zu können, und vernachlässigt dabei die Qualität – und verliert dadurch oftmals genau jene Elemente, die das Original erst zu so einem Erfolg gemacht haben. "28 Weeks Later" fällt zum Glück nicht in diese Kategorie. Zwar wird natürlich auch hier die Hauptmotivation gewesen sein, durch die Fortsetzung zu Danny Boyle's Original, welches nach der Veröffentlichung schnell zum Kultfilm avancierte, einen finanziellen Erfolg einzufahren. Trotzdem merkt man, dass sich Regisseur Juan Carlos Fresnadillo mit seinen Drehbuch-Coautoren Gedanken darüber gemacht hat, wie man auf den ersten Teil aufbauen kann, ohne einfach nur eine billige, einfallslose Kopie und/oder einen müden Abklatsch abzuliefern: Während sich Danny Boyle auf die Folgen einer solchen Epidemie konzentriert hat, lässt uns die Fortsetzung nun den Zusammenbruch der Zivilisation hautnah erleben – wenn auch "nur" am Beispiel einer vergleichsweise kleinen Gesellschaft.
War es im ersten Teil die Forschung (sowie militante Tierschützer; auch wenn ich nicht glaube, dass Danny Boyle und Alex Garland damit etwas Grundsätzliches aussagen wollten, á la "Keine Macht dem Tierschutz!"), liegt der neuerlichen Ausbreitung des Virus ein persönliches, familiäres Drama zugrunde, nämlich Don's Entscheidung, seine Frau zurückzulassen und seine eigene Haut zu retten – eine Tat, für die im Endeffekt alle in "New London" den Preis zahlen. Dennoch wird Don hierfür nicht verteufelt – vor allem, da bei der (natürlich teilweise gelogenen) Schilderung der Ereignisse an seine Kinder seine Selbstvorwürfe deutlich werden und man erkennt, wie er selbst mit dieser Entscheidung hadert. Natürlich war es egoistisch, rücksichtlos und fragwürdig von ihm, seine Frau einfach so ihrem Schicksal zu überlassen, dennoch ist die Entscheidung – vor allem in der Hitze des Gefechts – durchaus nachvollziehbar. Insbesondere, wenn man den Vorgänger kennt und weiß, wie schnell sich die Infizierten für gewöhnlich in blutrünstige Monster verwandeln. "28 Weeks Later" zwingt uns hier gleich zu Beginn – in einer der besten Szene des Films – uns in Don's Lage zu versetzen und uns zu fragen: Hätten wir in dieser Situation wirklich anders gehandelt? Wären wir selbstlos geblieben und hätten alles daran gesetzt, Alice zu retten – selbst wenn dies mit großer Wahrscheinlichkeit unseren eigenen Tod bedeutet hätte? Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Strafe für Don's kurzen Moment der Schwäche – nämlich der erneute Ausbruch der Krankheit – unangemessen hart.
Eine Thematik, die "28 Weeks Later" mit dem Vorgänger teilt, ist die kritische Betrachtung des Militärs. Nicht nur, dass man um die Verbreitung des Virus einzudämmen dazu bereit ist, jene zu töten, die man eigentlich beschützen sollte, scheitert man im Endeffekt sogar damit. Jene Szene, als die Soldaten den Befehl ihres Vorgesetzten ausführen und damit beginnen, keinen Unterschied mehr zwischen Infizierten und Gesunden zu machen, zählt zweifelsohne zu den dramaturgischen Höhepunkten des Films. Weitere diesbezügliche Highlights sind – neben dem bereits erwähnten Einstieg mit dem Angriff auf das abgelegene Landhaus – der Einsatz des Giftgases, die Zerstückelung mehrere Infizierter durch einen Hubschrauber, sowie die enorm spannende Szene, als sich die letzten verbliebenen Überlebenden auf der Flucht vor den Infizierten in einen U-Bahn-Schacht begeben. Letztere zieht ihre Spannung vor allem aus dem – damals noch recht unverbrauchten und sehr effektiven – Stilmittel mit dem Nachtsichtgerät, welches (im Vergleich zu z.B. "Das Schweigen der Lämmer") noch dazu nur einen sehr kleinen Bereich des Bildes sichtbar macht…
Mit Ausnahme des Drehbuchs orientiert man sich in praktisch allen anderen Bereichen der Produktion sehr stark am Original. Wie schon bei "28 Days Later" wurde John Murphy für die Filmmusik verpflichtet, der zwar auch das eine oder andere gelungene neue Thema komponierte, an den Schlüsselstellen des Films erklingt jedoch mit "In the House, In a Heartbeat" gleich mehrmals das wohl bekannteste und prägnanteste Stück aus dem Vorgänger. Ebenfalls an das Original erinnert die Verpflichtung eines starken Ensembles in den Haupt- und wichtigsten Nebenrollen. Neben Robert Carlyle und Rose Byrne, welche die größte Last auf ihren Schultern tragen (und meistern), überzeugen in Nebenrollen noch Jeremy Renner, Imogen Poots (die trotz der weniger interessanteren Rolle einen bleibenderen Eindruck hinterlässt als ihre quasi-Vorgängerin Megan Burns) und Catherine McCormack, während Harold Perrineau und Idris Elba leider nicht wirklich etwas zu tun bekommen und dadurch auch nur bedingt zum Erfolg des Films beitragen dürfen. Wie schon beim Vorgänger liegt die größte Stärke von "28 Weeks Later" aber in der tollen Inszenierung, die erneut statt auf Schockmomente auf eine dichte Atmosphäre setzt, und uns einige der spannendsten Momente des Kinojahres 2007 bescherte – nicht zuletzt war mir die oben bereits angesprochene Szene in der U-Bahn beim FilmRückblick damals ja sogar die Auszeichnung als "Nägelbeißer des Jahres" wert!
Fazit:
Die befürchtete Schändung des Originals ist ausgeblieben. Dem Team von "28 Weeks Later" ist unter der Leitung von Regisseur und Drehbuch-Coautor Juan Carlos Fresnadillo eine würdige Fortsetzung zu Danny Boyle's Endzeit-Schocker gelungen, welche die dort erzählte Geschichte konsequent weiterführt und um einige interessante neue Ideen und Aspekte bereichert. Schauspielerische Leistungen, musikalische Untermalung und die sehr atmosphärische Inszenierung befinden sich auf dem Niveau des Vorgängers. Vor allem letztere zählt erneut zu den größten Stärken des Films und sorgt für einige sehr spannende Momente und Szenen. Das Drehbuch mag sich zwar nicht ganz mit jenem von Alex Garland messen können, weiß aber ebenfalls zu gefallen, und verfügt wie der Vorgänger über einiges an Anspruch und Sozialkritik. Vor allem das Militär bekommt wieder einmal sein Fett weg – aber auch individuelle Entscheidungen werden hinterfragt und kritisch beleuchtet. Das düstere Finale sorgt dann schließlich für einen stimmigen, gefälligen Abschluss eines überzeugenden Sequels, dass zwar die Klasse des Vorgängers nicht ganz erreicht, sich aber auch nicht vor ihm verstecken muss.
8/10
Review © Christian Siegel
verfasst am 05. Oktober 2011
geschrieben für und ursprünglich veröffentlicht auf http://www.fictionbox.de
28 WEEKS LATER
Die Geschichte beginnt ein paar Tage nach Ende des ersten Teils. Über ganz England liegt noch immer ein Virus das gesunde Menschen zu Zombies mutieren lässt. Doch diese Zombies sind schlau, flink und bärenstark. Don, einer der wenigen übriggebliebenen gesunden Menschen, ve...
27.08.2007 | mehr...
Kommentare
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Wieder mal einfach ne geile und nahtlose Fortsetzung.