Kim Young-Juns Film wird nicht zu Unrecht als die koreanische Antwort auf „Tiger & Dragon“ bestimmt. Der Akzent liegt eindeutig auf grandioser Kameraarbeit, souverän choreographierten Kampfszenen, Herzschmerz und der Präsentation eines Helden in allen und für alle Schicksalslagen. Schon in den Kampfszenen vor den Opening Credits werden diese wesentlichen Merkmale des Films eingeführt. Weniger nett formuliert: Blödsinn, stylish in Szene gesetzt.
Auch wenn sich die Fantasyelemente hier auf die besonderen Kampffähigkeiten beschränken (im Gegensatz z.B. zu „Legend of the Evil Lake“) und „Bichunmoo“ längst nicht so historisch orientiert ist wie „Musa“ oder „Hero“, haben wir es hier mit einem weiteren typischen Vertreter des neueren Swordplay/Heroic Bloodshed Genres zu tun. Mit dem Blutvergießen ist das eh so eine Sache. CGI und Choreographie zählen mehr als Gore, um ein optisch einwandfreies Gesamtbild zu erzeugen. Frame für Frame. So bleiben richtige Splattereffekte rar, treten aber immerhin gegen Ende noch mal etwas in Erscheinung. Ab und zu gibt es mal eine aufhellende Parallelmontage, die das Geschehen zweier Orte zeitlich und inhaltlich miteinander verbindet.
Meist passiert jedoch hier etwas und dann da etwas, ohne dass die zahlreichen, gerade nicht beteiligten Charaktere interessieren. Die tauchen mal da und dort auf und mal auch nicht, wie das Drehbuch es für den nächsten Schritt in der (allzu bekannten) Dramaturgie fordert. Weil die Welt böse und voller Intrigen ist, werden Freundschaften negiert, alte Beziehungen zerstört und Verbündete verraten. Leider auf meist vorhersehbare und stupide Weise (freilich schön anzusehen, wenn auch ohne schnitttechnische Tricks nicht denkbar), obwohl bei mehr Konzentration auf die Figuren ein wahres Feuerwerk an Intrigenspiel, Bündnisschlüssen und großen Gefühlen drin gewesen wäre.
Ein wenig ist Kim Young-jun entschuldigt, da seine Urfassung wegen Überlange gekürzt werden musste. Der Schere ist das ein oder andere Handlungselement zum Opfer gefallen; leider bleibt so auch das Verständnis stellenweise auf der Strecke. Aber die Genrefans schreckt dieses Manko und diese Künstlichkeit ja ohnehin nicht, und die Erzählweise von „Hero“ bleibt in puncto Verwirrspiel und Figurenpsychologie wohl die rühmliche Ausnahme des Genres. Zweifelsohne: „Bichunmoo“ ist kein schlechter Film. Aber er hat nicht das Zeug dazu, ein Spitzenfilm zu sein. Dafür ist er zu sehr Verpackung und zu wenig Inhalt. |