Toto, I've a feeling we're not in Manhatten anymore. -----
Stadtneurotiker Woody Allen auf Abwegen, sein Film MATCH POINT spielt zur Gänze in England. Satirische New Yorker Großstadtneurosen verkehren sich in schwarz-morbiden britischen Humor und der Kinobesucher hat ebensoviel Freude daran, dass Woody Allen sein gewohntes Terrain verlässt wie der Regisseur selbst. Obwohl die Ausgangssituation, ein Beziehungsgeflecht aus mannigfaltigen Kreuz-und-Quers, auf den ersten Blick als vertraute Woody Allen Spielwiese erscheint, entwickelt sich MATCH POINT in der zweiten Hälfte in eine Richtung, die man von ihm nicht unbedingt erwarten durfte. Verschrobene Beziehungskonstellationen, liebevoll vertrackt in Szene gesetzt, kulminieren in spannenden, mit tiefschwarzen Humor angereicherten Kriminalgeschichten, welche in dieser Form sicher ein Novum im Allen'schen Oeuvre darstellen. MATCH POINT ist für Woody Allen Fans zwar einerseits ein bequemes Zurücklehnen in den Sessel vertrauter Umgebungen, andererseits aber eine spannende Exkursion in neue Gebiete. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz, jedoch fällt er deutlich anders aus als üblich - etwas hintergründiger, weitaus bösartiger und deutlich schwärzer.
Game, Set, Match -----
Auch erzählerisch vermag MATCH POINT zu überzeugen. Der titelgebende Moment in einem Tennis Match ist oftmals pures Glück, stellt der Film gleich am Anfang klar. Wenn der Tennisball auf die Netzkante prallt, für einen langen Moment zwischen den beiden Seiten aufspringt, ist es reines Glück auf welcher Seite er dann letztendlich zu Boden fällt. Dieses kleine Glücksmoment kann Spiele entscheiden, aber unter den gegebenen Umständen auch ganze Lebensläufe. Am Ende des Films springt ein weggeworfener Ring am Geländer vor dem Fluss ab. Landet er auf der einen Seite, wird es wohl nicht gut für den Protagonisten ausgehen, landet er jedoch auf der anderen Seite... Genüsslich spielt Regisseur Allen mit diesem Moment, der nebenbei einen dramaturgisch wunderschön gespannten Bogen ergibt. Im letzten Akt spielt der Film überaus gekonnt mit den Erwartungshaltungen des Zusehers. Immer dann, wenn man sich des Filmendes schon sicher wägt, schlägt MATCH POINT einen gekonnten Haken und belehrt eines Besseren. Ein delikates Vexierspiel, welches einerseits gespannt macht und andererseits königlich amüsiert.
Tie Break -----
Schauspielerisch ist MATCH POINT ebenso sehenswert. Jonathan Rhys-Meyers und Matthew Goode bieten sehr solide Performances, die von den Leistungen der weiblichen Darstellerinnen - Scarlett Johansson und Emily Mortimer - perfekt ergänzt, und in einzelnen Szenen auch deutlich übertroffen werden. Köstlich auch Penelope Wilton, die als distanzierte Mutter die Liebschaften ihrer Kinder argwöhnisch beobachtet. Erzählerisch ist MATCH POINT ohne Zweifel ein Highlight. Mit viel Liebe zum Detail werden die Beziehungen der Figuren untereinander inszeniert und in einem sich wunderschön aufbauenden, dramaturgischen Bogen eingefasst, wie er runder nicht sein könnte. Dennoch bietet der Film genug Freiraum für einige Überraschungen, die einem gekonnt das Gefühl geben etwas neues, originelles zu sehen. Im Gegensatz zu manch anderen Filmen des Regisseurs ist MATCH POINT sicher für alle Kinobesucher geeignet, ob eingefleischter Woody Allen Fan oder nicht. Ein sehr schöner Film, der auf vielen Ebenen funktioniert und vielleicht sogar Romantiker, wie auch Zyniker im Publikum zu gleichen Teilen bedienen kann. |