Regisseur Roman Polanski versteht es ausgezeichnet mit diesen sensiblen Thema umzugehen. Die filmtechnischen Mittel werden zurückgenommen, auf's Wesentlichste reduziert. Nichts soll von der Geschichte ablenken: keine aufwendigen Kamerafahrten, keine überstilisierte Ausleuchtung, keine 'larger-than-life' Performances und keine fancy FX! Das Ergebnis ist ein ruhiger, konzentrierter Film, der sich auf das besinnt was er transportieren will - die Story. Man möge diese Reduktion bitte schön, nicht als Mangel an Regiearbeit werten.
Nichts desto trotz, THE PIANIST hat zweifellos seine visuellen Vorzüge. Es werden reale Schauplätze anstelle kitschiger CGI's eingesetzt, selbst für die im Film dargestellten Ruinen von Warschau wurden echte verfallene Häuser gefilmt. Diesen Unterschied sieht man eben auf der Leinwand! Es gibt wenige Produktionen, die sich solche Mühe beim Location Scouting machen. Hervorzuheben sind weiters die Ausstattung und die Kostüme - sie fügen sich perfekt in das dramaturgische Gesamtkonzept ein. Die Kleidungsfarben verblassen im Laufe des Films zusehends - ein Spiegelbild der Handlungsebene....
Ziemlich viel Mühe hat man sich auch mit der Authentizität gemacht und zwar nicht nur in Bezug auf die Optik. Auch inhaltlich lässt THE PIANIST keine simple S/W Malerei bei seinen Figuren entstehen. Es wurde nicht krampfhaft versucht, eine Helden-, Opfer-, oder Retterstory daraus zu machen. Kernpunkt der Geschichte bleibt die Figur des Pianisten, der ein ziemlich introvertierter Bursche ist. Adrien Brody bietet hierbei eine hervorragende, aber sehr zurückhaltende Darstellung die sich großartig in das Gesamtwerk einbettet.
Gott sei Dank, traut sich Roman Polanski seinem Publikum auch weh zu tun! Ich finde das (bei dem Thema) einfach sehr wichtig. Genau hierbei hat Spielberg, mit SCHINDLER'S LIST, gänzlich versagt. Anstatt sich darum zu kümmern, wie man sein Publikum bei der Stange hält (ihnen 'Unannehmlichkeiten' wohlwissend erspart), zieht Polanski mit präziser Hand ein Skalpell an der Wunde entlang. Einerseits geschieht das keineswegs übertrieben, andererseits passieren die Machenschaften der Nazis aber auch nicht Offscreen. Bei manchen Szenen, so simpel, grauslich und direkt sie auch sind, bekommt man zwar die Gänsehaut, aber auch das Gefühl, dass es genau solche Szenen braucht in dieser Art Film. Spielberg hat das nicht vestanden...
THE PIANIST ist ein sehr langsamer und ruhiger Film, visualisiert mit nahezu dokumentarischer Kälte. Polanski, der selber in seiner Kindheit ähnliche Erfahrungen machen musste, hat die Grandwanderung die dieses Thema nun mal mit sich bringt, bravourös gemeistert. Obwohl mir persönlich - das Thema mal beiseite gelassen - andere Filme des Regisseurs besser gefallen, ist THE PIANIST sicher ein würdiger Cannes Sieger und Oscar Gewinner - ein hervorragender Film ohne Sentimentalitäten und filmtechnischen Schnick-Schnack. Das kommt dem Film nur zugute, er wirkt dadurch realistisch, ehrlich und nicht nur auf emotioneller Ebene glaubhaft. THE PIANIST ist zweifellos kein leichter Film, aber ebenso zweifellos ist es ein sehr guter. |