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Das Kabinett des Doktor Parnassus
The Imaginarium of Doctor Parnassus
Frankreich | Kanada | Großbritannien  2009 
Abenteuer | Fantasy | Mystery
08.01.2010  (Österreich)
07.01.2010  (Deutschland)
25.12.2009  (USA)
Davis-Films | Grosvenor Park Productions | Infinity Features Entertainment | Parnassus Productions | Poo Poo Pictures
Concorde Filmverleih (Österreich)
Concorde Filmverleih (Deutschland)
Terry Gilliam
Terry Gilliam; Charles McKeown
Jeff Danna; Mychael Danna
Michael Eklund; Vitaly Kravchenko; Simon Day; Johnny Depp; Colin Farrell; Tom Waits; Christopher Plummer; Verne Troyer; Heath Ledger; Fraser Aitcheson; Jude Law; Michael Jonsson; Mackenzie Gray; Mark Benton; Brad Dryborough; Peter New; Andrew Garfield; Carrie Genzel; Quinn Lord; Ildiko Ferenczi; Lily Cole; Paloma Faith; John Snowden; Johnny Harris; Joseph Cintron; Ian A. Wallace; Katie Lyons; Ryan Grantham; Richard Riddell; Igor Ingelsman
Inhaltsangabe
Die wandernde Karawane des Dr. Parnassus zieht seit Jahrhunderten durch die Welt, um die Freude des Erzählens weiter zu geben. Seine eigene Wettgier um die Seelen der Lachenden verdammte den Medusalem'schen einst zu seinem Schicksal der Unsterblichkeit. Hat der Teufel zwar einst verloren, treibt jener sein mephistophelisches Spiel nun nur umso radikaler. Der 16. Geburtstag seiner schönen Tochter eilt heran – und hiermit auch der Tag, an dem die letzte Wette ihren Stichtag ereilt. Nun spielt Dr. Parnassus um die ewige Seele seines Kindes, doch der Verlust dieser rückt näher. Erst als ein mysteriöser Fremder auf die Bühne tritt scheint sich das Blatt zu wenden. Aber auch dieser verbirgt ein dunkles Geheimnis in seinem charmanten Auftreten …
Film Kritik
Das Imaginärium eines alten Mannes


Wenn Reptilien in einer Las Vegas-Bar wilde Orgien feiern und düstere Ritter durch moderne Städte reiten, weiß ein jeder Cineast, dass sich hier nur einer verbergen könne: Terry Gilliam. Der Mann der visuell tausenden Gesichter überrascht sein Publikum seit Jahrzehnten mit den Grotesktesten in der Filmlandschaft. Die kinematographischen Phantasmen verzaubern das Auditorium. Er baut surrealistische Szenarien eines Méliès auf. Imaginärien grotesker Köpfe. The Imaginarium of Doctor Parnassus.

Can you put a price on your dreams?


Es die größte Ehre, die je einem Amerikaner zugesprochen wurde. Nein, hier ist weder der Nobelpreis noch ein Staatsbesuch gemeint. Sondern die Mitgliedschaft eines US-Bürgers in der trocken humorigen Brit-Kult-Bande Monty Python. Kein anderer als ein wenig berühmter Animateur, der sich mit seinen traumhaften Spinnereien in die Herzen der verrückten Briten katapultiert hat. Nun Jahrzehnte später ist er ganz woanders angelangt. Denn dieser ist kein Geringere als der nun weltberühmte Filmemacher Terry Gilliam, der sich dank Surrealismen a la Twelve Monkeys, Brazil und Fear and Loathing in Las Vegas einen der größten Kulstati der Traumfabrik erarbeitete. Doch leider verlor der kreative Regisseur in den letzten Jahren immer mehr an Ansehen. Schon immer wurden seine grotesken Ideen aufgrund der Einzigartigkeit sowohl geliebt als auch gemobt. Gilliam kämpfte um seine subtilen Einfälle – der Kommerzialismus kämpft um das Geld. Bei dieser unerbittlichen, epischen Schlacht gewinnt leider doch allzu oft die kapitalistische Habgier. Es ist wahrlich sein Ritt gegen die Windmühlen, welches auch das Traumprojekt seiner Selbst darstellt. Eine schlimme Metapher für das Schicksal seiner Filme, die immer von den Großen der Industrie verstümmelt wurden. So musste der Kreativling auch seine Filme aufgrund des hohen Budgets in den desorientierten Mainstream führen. Das wunderschöne Zauberland der Grimm’schen Märchen wird zu der Falle der Originalität. Erst die Flucht in den Kleinstfilm mit dem überaus interessanten Tideland konnte den kommerziellen Brothers Grimm vergessen. Doch nur die Rückkehr in den dunklen Wald kann schlussendlich den Sieg erbringen. Es ist sein eigener Kampf gegen die Teufel, um die Sitze des Auditoriums für sich zu gewinnen. Terry Gilliam lädt in sein eigenes Paradies der Phantasmen ein. In sein Imaginärium. In Das Kabinett des Doktor Parnassus.

"One Of Hollywood's Greatest Visionaries"?!? I'm Not Even A Hollywood Director!!!


Ebene jener unendliche Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Gut und Böse, zwischen Markt und Genialität, ist auch die Grundproblematik seines neuesten Streichs. Das Imaginärium bietet eine fabelhafte Grundthematik, um in die Tiefen des dunklen Waldes eines Geistes einzudringen. Doch in dieser Prämisse verbirgt sich auch das unheimliches Labyrinth eines Eschers, in der jeder Fehltritt ein Armaggedon bedeutet. Gilliam bietet in seiner grotesken Vision, so wie seine Protagonisten, eine Flucht in die andere Welt. Doch die Geschichte um das Kabinett wiederum ist jener hinterhältige Teufel, der den Nonsens beschwört. Das Problem mit dem schizophrenen Film ist die gigantische Kluft zwischen den beiden Welten. Während die Geschichten um die verschiedensten Hauptfiguren in der realen Welt die Köpfe des Zuschauers in unmenschliche Positionen verdrehen, reißt der Strom einer gigantischen Bilderflut den Zuschauer in seinen Rausch. Das Imaginärium ist eine unglaublich packende Welt, die durch den – aufgrund des Todes von Heath Ledger bedingten – Kniff der Vierfachbesetzung des Protagonisten, sogar noch intensiver wird. Manchmal vielleicht ein wenig profan, bombardiert Gilliam sein Publikum mit den merkwürdigsten Sinneseindrücke, die zusammen ein herrlich schrilles, grotesk düsteres Ganzes ergeben. Wesentlich subtiler als Brothers Grimm, vielfach origineller als Time Bandits. Doch dort, wo die Visualität ins Meisterhafte verschwindet, reißen die öden Figurenzeichnungen den Film auf sein „relativ gutes“ Niveau zurück. Dabei ist es nicht einmal so, als wären die Prämissen und die Hintergründe der jeweiligen Charaktere verdammenswert. Vielmehr lockte der heimtückische Drehbuchdämon die Figurenverläufe in sein mephistophelisches Kabinett. Umso weiter der Film fortschreitet, sein visuelles Feuerwerk verfeinert, desto langweiliger scheinen die wirren Handlungsstränge um die verschiedenen Figuren zu werden. Dabei darf es hier als schade gelten, dass das Ulitmativ der beteiligten Protagonisten nicht einfach auf „den“ Einen reduziert wurde, um welchen sich schlussendlich sowieso das Finale dreht: Den von Heath Ledger, Jude Law, Johnny Depp und Collin Farrell dargestellte Toni. Sein Leben, seine Welt, seine Gesten – all dieses bietet jenes Phantasma, welches auch schon der düsteren Kopfwelt des Parnassus inne wohnt. Umso tiefer der Zuschauer in die groteske Welt des Fremden dringt, desto beeindruckender wird das Filmerlebnis. Hier hätte Gilliam ein Universum vorgefunden, welches wert gewesen wäre, von ihm erobert zu werden.

22. Januar 2008. Ein Datum, welches nicht allzu lange her ist, und dennoch in einer komplett anderen Sphäre schwebt. Der Todestag von Heath Ledger. Mitten während der Dreharbeiten zu The Imaginarium of Dr. Parnassus stirbt der Hauptdarsteller. Bei weitem noch nicht alle Szenen im Kasten – fehlen immerhin noch der Großteil der Traumsequenzen – scheint es so, als ob der wahrlich letzte Film von Ledger jenem ins Grabe folgen würde. Erst die Überlegung, Law, Depp und Farrell in das Projekt für eben den Traum-Toni ins Boot zu holen, konnte das Projekt wiederbeleben, um dem verstorbenen Edelmimen ein Denkmal zu setzen. Bei einer derartigen Vorgeschichte, fällt es denkbar schwer vom Schauspieltum des Films abzusehen. Doch, was erwarten sich die Leute nun von dem verstorbenen Ledger? Dass jener Mime erneut die Oscar prämierte Leistung von The Dark Knight aufbauen kann? Ich meine, ja – er spielt gut. Könnte er besser sein? Offensichtlich. Der angehende Superstar der Jungdarsteller hat in den letzten 10 Jahren derartig Großartiges vollbracht, dass es schwierig ist, "DAS" Leder-Monument zu errichten. Sein Spiel ist originell und eindeutig besser als die Meisten seiner Gefährten – wirkt gerade das junge Modell Lily Cole reichlich überfordert. Doch die Dramatik fehlt. Die besten Momente von der Figur Toni sind eben jene Ereignisse in dem düsteren Kopf des Dr. Parnassus. Es sind die Schlüsselmomente, um die Rolle zu dekodieren. Somit verfällt der eigentliche Hauptdarsteller in eine gute Nebenrolle. Der Star des Films wird in dieser Hinsicht die irische Edelmime Colin Farrell. Dieser darf nämlich im Finale alle Register ziehen, um dem Film zu einer imposanten Größe zu verhelfen. Heath Ledger mag wohl für viele Zuschauer der Reiz in dem Film zu gehen sein, doch muss man sich hüten: Sein letztes Monument zerbröckelt in der Fragmentisierung seiner Darstellung.

Fazit:
Zu gerne möchte man aus The Imaginarium of Doctor Parnassus schreiten und hinaus in die Welt rufen: „Gilliam did it again!“ Doch dieser Triumph lässt des Maestros Drehbuch nicht zu. Die groteske Welt, die der kreative Regisseur in dem Traum der Bilder aufzubauen vermag, ist ein Kleinwunder der Kinematographie. Leider verwirren die Geschichtsirrungen der unterschiedlichen Protagonisten das Escher'sche Gesamtbild. Doch ein getrübter Spaß ist und bleibt ein Spaß. So darf der Zuschauer wenigstens mit einem breiten Lächeln auf dem Mund aus dem Kinosaal schlendern.
Kurz Kritik
(3.5/5)
(3.5/5)
(4.0/5)
(3.0/5)
(3.0/5)
(4.0/5)
(3.5/5)
(3.5/5)
Dieses Film Review wurde von Sebastian Klausner erstellt.


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