Sachte erhebt sich das gängige Dreamworkssymbol in prachtvoller Schwarz / Weiß-Optik. Die melodische Klänge liebkosen das Ohr, während das sanfte Malerische das Auge streichelt. Doch plötzlich mit einen großen Knall explodiert die idyllische Harmonie. Ein UFO begeht Fliegerflucht. DreamWorks Animation führt in diesem Duktus ihren neuesten Streich ein: Monsters vs. Aliens.
Und auch DreamWorks verändert seine Dimensionen. Nicht mehr die plumpe zweidimensionale Landschaft soll daher plätschern, sondern der atemberaubende Raum der dritten Dimension reißt den Zuschauer nun mit. Auch wenn sich Disneys Bolt und Monsters vs. Asliens grundsätzlich den gleichen Mechanismen bedienten, kann das Team um den beiden Regisseuren Rob Letterman und Conrad Vernon ein wesentlich intensiveres Filmerlebnis auf die Leinwand zaubern. Schon in den ersten Minuten schlagen Bälle auf den Zuschauer ein, flitzt das Publikum durch das halbe Universum und erhascht einen Blick auf einen deftigen Burger, der scheinbar zum Greifen nahe wäre. Somit kann DreamWorks mit einer weiteren Revolution ihrer Technik punkten, die trotz der Prämisse des „Comichaften“ einen unglaublich hohen Grad an Realismus in sich birgt, aber schließlich auch als einer der Vorreiter die neueste Dimension für sich erobern. Gerade diese Expedition, der das neue filmische Erlebnis, jenes für uns noch ungewohnte Universum, für sich zu erschließen versucht, darf als ein voller Erfolg bezeichnet werden. Beinahe jedes Bild ist wirklich so konzipiert, dass man es nur mit der neuen Technik „genießen“ kann. Ganz konträr zu dem letzten Animationsereignis aus dem Hause Disney, die vielmehr versuchten eine zweidimensionale Regie mit Ach und Krach in eine weitere Ebene zu befördern, sieht man das neue Konzept in jeder Faser dieses Animationskrachers. "Konzept" ist das richtige Schlagwort in dieser Argumentation. Es ist eben kein Modell, das einfach einen neuen Lack bekommt, sondern das Innere wird vollkommen auf dem Kopf gestellt, ganz neu konstruiert. Und das Ergebnis dieser Mühen können sich wirklich sehen lassen. Das einzige Problem, das sich hier ergibt: Wenn plötzlich jemand in der Reihe vor einem aufstehen will, wundert sich der Hintermann was für ein riesiger Schatten auf einmal die Monster bedroht. Wenn selbst reale Menschen fiktiv erscheinen, ist dies ein deutliches Zeichen für den Triumph der Technik.
Animationsfilmproduzenten wissen, wie alle anderen Filmemacher auch, was denn den Zuschauer ködern könnte: Prominenz! Liest man ein Plakat sind es oft die berühmten Namen der Sternchen, die auf diesem funkeln und einen in ihren Bann zu ziehen vermögen. So auch bei Monsters vs. Aliens: Angefangen bei Reese Whiterspoon über den Seriensuperstar Hugh Laurie, alias Dr. House, bis hin zu dem momentanen Komikerliebling der Kritiker, Seth Rogen. Ein Namen scheint seinen Nachbarn zu überschatten und vice versa. Und ihre hohen Gagen scheinen sich bezahlt zu machen. Denn mit sehr viel Charme hauchen die Sprecher im englischen O-Ton ihren Polygonenklonen den nötigen Lebensatem ein. Aber trotz dieser guten Leistung, will der Film einfach nicht so richtig zünden. Namen machen zwar Leute, aber keine Filme. Die problematische Ebene des Films, die aber das Alienabenteuer beinahe zur Gänze bestimmen möchte, ist das Niveau des Humors bzw. auch die Dichte des Witzgrades. Nachdem sich Pixar als das hochwertige Studio der griechischen Dramen unter den Big Players etablierte, blieb DreamWorks der Titel des Hofclowns, den das Haus dankbar annahm und mit solchen Gaghits wie Shrek oder Kung Fu Panda auszufüllen wusste. Von dieser Prämisse des „Spaßvogels“ ist leider hier reichlich wenig zu spüren. Der Zuschauer darf nach den flotten 3D-Einlagen immer wieder ein wenig schmunzeln, aber die Lachhymnen, die das Publikum zu singen im Stande wäre, sind erloschen. Monsters vs Aliens mausert sich zu einem netten Spaß, der aber nichts mit jenen Meisterwerken des Humors gemein hat.
Fazit:
Form vor Inhalt. Leider kann Monsters vs. Aliens seinen hohen technischen Anspruch nicht auch auf dem inhaltlichen Gebiet fortsetzen. Man verlangt bei einem Animationsspaß keine ausgeklügelten Handlungsstrukturen (auch wenn man diese gerne sieht), aber wenigstens ein Gerüst, das einem durch den Film leitet, wäre vorteilhaft gewesen. So ist nach dem bombastischen Gagfeuerwerk Kung Fu Panda DreamWorks Animations neuester Streich leider nur eine visuell überaus ansehnliche Gagknallerbse. |