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Hermes Phettberg, Elender
Hermes Phettberg, Elender
Österreich  2007 
Dokumentation
Fischer Film

Kurt Palm
Kurt Palm
Chrono Popp
Helge Schneider; Harald Schmidt; Elfriede Jelinek; Kurt Palm; Hermes Phettberg; Hans Bankl; Johanna Dohnal; Andreas Karner; Sandra Maischberger; Marcel Prawy; Alfred Psota; Reiner Reitinger; Andreas Sobik
Inhaltsangabe
Hermes Phettberg ist Publizist und Elender in Wien und zählt zu den enfant terribles der österreichischen Kunstszene. Legendär seine „Nette Leit Show“ Mitte der 90er Jahre, kontrovers seine „Verfügungspermanenz“ in Museen in Wien und Zürich. Kurt Palms Doku zeigt Hermes Phettberg, den Ungeliebten, den Außenseiter und den Faszinierenden. Oder um es mit Harald Schmidts Worten zu sagen: „Für mich ist Hermes Phettberg ein Gesamtkunstwerk“.
Film Kritik
Nach gravierenden Meinungsverschiedenheiten ging das Duo Phettberg-Palm 1996 getrennte Wege, was zwangsweise auch das Aus für die „Nette Leit Show“ bedeutete. Heute, 10 Jahre später, sitzen sie wieder gemeinsam auf Couchen – nicht nur im Film, sondern auch gesehen im Wiener Gartenbaukino oder bei Puls TV – und reden… über Vergangenes. Die Idee zum Film stammt von keinem geringeren als Claus Philipp von der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD: Phettberg und Palm hätten anlässlich der Präsentation der Standard-DVD Edition im letzten Winter ein Gespräch im Wiener Metro Kino führen sollen. Aufgrund Phettbergs zweiten Schlaganfalls kam es nicht dazu, und so entstand die Idee, dieses Gespräch in Phettbergs Wohnung zu drehen. Hermes Phettberg, Elender ist somit ein Zusammenschnitt eines ca. 15 Stunden langen Interviews, das in Phettbergs (überraschenderweise aufgeräumten) Wohnung entstand. Angereichert mit Archivaufnahmen aus dem Schaffen Phettbergs und zusätzlich eingestreuten Animationen wird der Film in seinen kompakten 78 Minuten eines nie: Langweilig.

Phettberg ist ein Phänomen, an dem sich die Geister scheiden – das ist nichts Neues – und so liefert Kurt Palms Film über den Elenden wieder jede Menge Zünd- und Diskussionsstoff. Die Hasser wie auch die Verehrer werden sich in ihren unterschiedlichen Meinungen bestätigt sehen. Eines ist aber klar: Phettberg, der sich zwar schon immer als „Elender“ bezeichnete, vielleicht aus künstlerischer Verzweiflung oder aus reinem Selbsthass, ist zumindest anno 2007 wirklich so einer: Gezeichnet von den Schlaganfällen ist dieser Mann nur noch ein Schatten seiner selbst. Abgemagert, kaum noch des Sprechens fähig und mit Müh und Not noch dazu in der Lage, die Treppen im Stiegenhaus zu steigen wird dem Zuschauer ein Wrack vorgeführt, ein Mensch, der in einem Körper gefangen steckt und mehr als zuvor unter dieser Gefangenschaft zu leiden hat. Aber auch einer, der trotz dieses Handicaps immer noch zum Scherzen, Lachen aufgelegt ist und wie kein anderer Gedanken in Sätze formt. Erst gegen Ende des Films erheben sich Palm und Phettberg von der heimeligen Couch, Phettberg tritt eine Reha an und wird nach Beendigung dieser im Krankenhaus nach einigen Wochen von Palm abgeholt – hier setzt der Film wieder ein. Noch einmal plauscht man im Sitzen, „geschlaucht“ im Krankenhaus. Die Polsterung der Couch weicht einer unsanften Sitzbank. Doch die Spannung im Gespräch bleibt.

Neben dem Gespräch, welches einen Gutteil des Films ausmacht, gibt es auch noch allerlei Archivmaterial zu bewundern: Gustostückerl aus der „Nette Leit Show“ (wie die legendäre Episode mit Opernführer Marcel Prawy, der wie Phettberg eine große Vorliebe für Plastiksackerl hegte) aber auch ein Interview, welches er nackt und mit verbundenen Augen in einem Züricher Museum ausgestellt und zur Verfügung der Besucher bereit, Sandra Maischberger gab.
Hermes Phettberg, Elender gibt einen vitalen Einblick in das Leben einer österreichischen Ausnahmeerscheinung, der trotz einer etwas biederen Inszenierung faszinieren kann.
Kurz Kritik
(3.0/5)
(3.5/5)
(3.0/5)
(3.5/5)
Dieses Film Review wurde von Florian Widegger erstellt.


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