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Free Rainer - Dein Fernseher lügt
Free Rainer
Deutschland |  2007 
Drama
Coop 99 | Kahuuna Films

Hans Weingartner
Hans Weingartner; Katharina Held
Andreas Wodraschke; Adem Ilhan
Thorsten Feller; Peer Jäger; Irshad Panjatan; Robert Viktor Minich; Elsa Schulz Gambard; Vinzenz Kiefer; Gregor Bloéb; Moritz Bleibtreu; Josef Heynert; Hans Weingartner; Knut Berger; Simone Hanselmann; Thomas Jahn; Milan Peschel; Valentin Platareanu; Elsa Sophie Gambard; Franziska Knuppe; Urs Conradi; Ralf Knicker; Andreas Brandt; Doris Golpashin; Leily Timmner; Islam Ben Arfa; Martin Berg; Natalie Efa; Stefan Gerstenberg; Johannes Halonen; Jana Honczek; Walter Hötte; Sebastian Hufnagel
Inhaltsangabe
TV Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) ist jung, dynamisch und überaus erfolgreich. Für den Fernsehsender TTS produziert er einen Hit nach dem anderen, mit Freundin Anna (Simone Hanselmann) – blond und überaus attraktiv – läuft ebenfalls alles bestens. Lediglich sein etwas aufbrausender Charakter, der vermutlich von übermäßig hohem Kokain Konsum rührt, könnte ihm in manchen Situationen zum Verhängnis werden. Doch auch da windet er sich souverän raus, und zerdeppert mit einem Baseballschläger schon mal sein eigenes Auto.
Anders geht es der jungen Pegah (Elsa Sophie Gambard), deren Großvater sich aufgrund einer von Rainers Enthüllungsberichten das Leben genommen hat. Sie hat den festen Vorsatz, Rainer zu töten und verursacht einen folgenschweren Autounfall…
Folgenschwer deshalb, weil Rainer knapp mit dem Leben davon kommt und es von nun an als seine Aufgabe sieht, für „besseres“ Fernsehprogramm zu sorgen. Kultur und Bildung sollen es sein – doch bei den verantwortlichen Bossen stößt er damit nur auf taube Ohren. Bis Rainer herausfindet, dass die Quote lediglich von 5.000 Geräten in Deutschland bestimmt wird. Mit der ihm mittlerweile mehr als freundlich gesonnenen Pegah, dem schrulligen Sicherheitsbeamten/Hacker Philip (Milan Peschel) und ein paar flugs rekrutierten Arbeitslosen macht sich Rainer auf, das System zu sabotieren und sorgt bald für Deutschlands geistiges Erwachen…
Film Kritik
Gerichts- und Talkshows, Kochsendungen, Call-In-Shows, billig produzierte Soap Operas, Psychologenkrimskrams und jede Menge Talentshows – ein Blick ins deutsche Fernsehprogramm reicht aus, um zu erkennen: Volksverblödung ist des Pudels Kern – oder wie Oliver Kalkofe so schon sagt: „Fernsehen ist so eine Art geistige Neutronenbombe. Das Gehirn wird weggestrahlt, aber der Kopf bleibt stehen.“
Hans Weingartner hat also völlig Recht, diesen Missstand zu beklagen, ja anzuklagen – und er packt das Problem bei den Wurzeln: Die Quote bestimmen nur wenige – ausgesucht nach bestimmten Kriterien – und trotzdem ist Elitenfernsehen was anderes. Er stellt in zugegebenermaßen vereinfachter Form die Komplexität des Themas dar, er bedient sich stereotyper Charaktere und Szenerien: Schmierige Programmmanager, die eigentlich mal Autos verkauft haben und eiskalte Wirtschaftsbosse, für die „nur die Quote zählt“.
Im Mittelpunkt des Geschehens: Moritz Bleibtreu – zunächst profitiert er vom System, dann beginnt er, dagegen vorzugehen. Der Grund dafür ist allerdings zunächst ein banaler: Vom Unfall traumatisiert, findet er sich im Wahn in einer Abwandlung seiner eigenen Show als Opfer wieder und muss um sein Leben fürchten. Die von Gott gegebene zweite Chance will er nun nutzen, um gutes zu Tun und den Menschen Frieden zu bringen. Oder so ähnlich. Es gibt subtilere Möglichkeiten, einen Charakterwandel herbeizuführen, doch nach und nach erkennt Rainer das Ausmaß der „Verschwörung“ in der er sich wieder findet. Und wird schließlich doch noch glaubhaft zu dem, was er vorgibt zu sein. An seiner Seite steht zunächst noch Powerfrau Anna, die glaubt, ihre Karriere durch ihre Beziehung zu Rainer fördern zu können. Seinen Wandel missbilligt sie – zum Schluss wird sie zwar zu dem, was sie sich wünscht, ist aber doch nur Häschen vom Chef. Anders Pegah, die einen eigenwilligen und starken Charakter hat und schließlich Rainers Antrieb wird. Nach und nach entwickelt sich die – unvermeidbare – Romanze. Milan Peschel als „soziophober“ Sicherheitsbeamter und schließlich technisches Genie komplettiert das Trio.
Ankreiden möchte man Weingartners Film vor allem die stereotype Darstellung der Arbeitslosen, welche sich im Team Rainers einfinden. Vom „Maschinen“-Inder, über einen stark christlich geprägten jungen Mann, bis hin zum schweigsamen Mann mit dem Alkoholproblem fährt Free Rainer hier doch schwere Geschütze auf.
Schließlich und endlich gibt es an der starken Inszenierung kaum etwas auszusetzen – bis auf das Faktum, dass der Film, der ohnehin schon während seiner Produktionsphase stark geschnitten werden musste, mit knapp 130 Minuten immer noch ein wenig zu lang ist. Somit zeigt sich auch in diesem Fall, dass kreative Geister meist den kürzeren ziehen müssen, wenn es ums große Geld geht.

Fazit: Deutsches Fernsehen ist verbesserungswürdig. Wer es noch nicht weiß, weiß es spätestens mit Free Rainer. Toll, dass in diesem Film „lange Fassbinder Nächte“ in fiktiven Zeitungen propagiert werden. Doch leider utopisch. Aber Weingartners Anliegen, auf seinen Fernsehkonsum zu achten und selektiver zu sein, kommt auf jeden Fall an. Überzeugend gespielt, meist mit dem nötigen Drive – empfehlenswert, wenn auch selbst nicht zu anspruchsvoll.
Kurz Kritik
(3.5/5)
(3.5/5)
(3.5/5)
(3.0/5)
(3.0/5)
(3.5/5)
(3.5/5)
Dieses Film Review wurde von Florian Widegger erstellt.


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