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A Prairie Home Companion
A Prairie Home Companion
USA  2006 
Komödie | Musikfilm
12.04.2007  (Deutschland)
09.06.2006  (USA)
GreeneStreet Films | Sandcastle 5 Productions | River Road Entertainment | Prairie Home Productions
(Österreich)
(Deutschland)
Robert Altman
Garrison Keillor
Inhaltsangabe
Der Film erzählt die Geschichte der populären Live-Radioshow "A Prairie Home Companion", welche erstmals 1974 im Minnesota Public Radio gesendet wurde. Der Show droht die Einstellung, nachdem Mr. Axeman (Tommy Lee Jones) am finanziellen Ruder ist. Im Rahmen des Films verbringt der Zuseher den letzten Abend mit Cast & Crew der Radioshow, erlebt noch einmal ihre gesanglichen Performances, ihren Witz und ihre unvergleichlich dargebotenen Commercials. Backstage ist am letzten Abend ein illustres Treiben festzustellen. Die DarstellerInnen grübeln über ihre Zukunft, der eigens engagierte Security (Kevin Kline) lebt noch einmal seine überzogen ernsthafte Einstellung gegenüber seines Jobs aus, nur um sich von einer mysteriösen Frau (Virginia Madsen) verzaubern zu lassen. Eine liebevolle Abschiedsvorstellung voll Witz und Charme bahnt sich an, es sei denn die Akteure können das Ruder doch noch herumreißen und Mr. Axeman zum Fortbestand ihrer Show bewegen...
Film Kritik
"There is no tragedy in the death of an old man. Forgive him his shortcomings, and thank him for all his love and care."
(A Prairie Home Companion)

Robert Altman versteht es in vielen seiner Filme meisterhaft in sich geschlossene Systeme, mit allen ihren Eigen- und Besonderheiten, zu portraitieren, ganz egal ob es sich dabei um die Musikbranche (NASHVILLE; 1975), die Filmbranche (THE PLAYER; 1992), oder die Modebranche (PRÊT-À-PORTER; 1994) handelt. Wie kein anderer inszeniert Robert Altman seine oft bissigen, satirischen Bestandsaufnahmen einer Gruppe von Menschen, die nach eigenen Gesetzen, Wertvorstellungen und Einstellungen leben, denken und handeln. Stellvertretend für sein Publikum blickt der Meisterregisseur hinter den Vorhang dieser "fremden Welten", kommentiert seine Beobachtungen dabei mit unverhohlener, meist mit bissigen Humor vorgetragener, Kritik am Status Quo dieser Systeme, lässt aber gleichzeitig auch eine ungemein ansteckende Faszination gegenüber seinen Themen durchblicken, die er gekonnt auf den Zuseher überträgt. Robert Altman ist überdies ein Großmeister des Ensemble Films, die Besetzungslisten wimmeln nur so von bekannten Namen und selbst kleine Nebenrollen sind oftmals überaus prominent besetzt. Viele der angesprochenen Elemente finden sich auch in A PRAIRIE HOME COMPANION wieder.

A PRAIRIE HOME COMPANION ist der letzte Ausflug in die sehr präzise recherchierten Wahrnehmungswelten des Altmeisters. Der Film ist übervoll mit dem angenehm, nostalgischen Flair einer auslaufenden Radioshow. Dazu mixt der Regisseur ein interessantes Potpourri aus schillernden Figuren, wie z. B. den Sicherheitsbeauftragten Guy Noir (Kevin Kline), der eine köstlich überzogene, humorvolle Version eines Film-Noir Detektivs darstellt. Dazu gesellt sich die seltsam ambivalente Erscheinung von Virginia Madsen ("Dangerous Woman"), die gleichsam Eigenschaften einer Femme Fatale, sowie eines rettenden Engels in sich vereint. Trotz der teilweise übertriebenen Darstellungen bleiben diese Figuren aber inmitten der bunten Welt des Showgeschäfts überaus authentisch und wirken emotionell weitaus glaubhafter, als es eigentlich der Fall sein dürfte. Altman's Gratwanderung zwischen ernsthafter Inszenierung und liebevoll verspielter Hommage über alle Realitätsgrenzen hinweg ergibt eine delikate Melange aus augenzwinkernden Witz und ehrlich gemeinten Gefühlswelten. A PRAIRIE HOME COMPANION ist bei weitem nicht so bissig und kritisch, wie frühere Filme des Regisseurs. Der Film wirkt äußerst liebevoll inszeniert, die Kritik am American Way of Life ist eher zurückhaltend, das Fazit ist fast schon als melancholisch und versöhnlich zu bezeichnen.

Mit A PRAIRIE HOME COMPANION unterstreicht Robert Altman einmal mehr seine grandiose Regiekunst. Als sich die Sängerinnen in ihrer Garderobe auf ihren Auftritt vorbereiten, wählt der Regisseur seine Kameraperspektiven sehr präzise und eindrucksvoll. So wird z. B. Meryl Streep's Antlitz durch mehrere Spiegel ins Vielfache reproduziert. Die Aufnahme lässt jedoch genug Platz um mit Hilfe der Spiegel auch noch die Gesichter von Lily Tomlin und Lindsay Lohan ins Bild zu rücken, obwohl sie eigentlich weit außerhalb des natürlichen Framings liegen. Eine wunderschöne Bildkomposition, die in anderer Form, aber gleicher stilistischer Eleganz in vielen weiteren Szenen des Films zu sehen ist. Obwohl der Film aufgrund seiner Handlung kaum Tempo erzeugt, wirkt er über weite Strecken dynamisch, quirlig und höchst aktiv. Das liegt primär an den lebhaften und von den DarstellerInnen enthusiastisch vorgetragenen Dialogen, sowie der famosen Kameraführung, welche den oft statischen Song-Darbietungen im Rahmen der Radioshow eine gewisse Dynamik verleiht. A PRAIRIE HOME COMPANION ist hochgradig ansprechend inszeniert und hat auf jeden Fall das Potenzial um selbst Cineasten anzusprechen, die mit amerikanischer Country-, Folk- und Bluesmusik eher weniger anzufangen wissen.

Robert Altman starb am 20. November 2006, A PRAIRIE HOME COMPANION war sein letzter Film. Selbst wenn sein letztes Werk nicht die nachhaltige Authenzität von SHORT CUTS (1993), die überaus bissige, satirische Qualität von THE PLAYER (1992), oder den süffisanten Sarkasmus von PRÊT-À-PORTER (1994) reproduziert, ist der Film dennoch ein überaus sehenswertes Spätwerk des Meisterregisseurs, vielleicht ist er es auch gerade deshalb. A PRAIRIE HOME COMPANION ist ein versöhnlicher, emotionell sehr ehrlicher gemeinter Film, der mit Witz und Nostalgie eine lange, erfolgreiche und aufregende Karriere beendet. Vielen Dank für alles Mr. Altman! Ich hoffe, es hat ihnen als Regisseur ebensoviel Spaß gemacht wie mir als Zuseher. Das Gegenwartskino verliert mit Robert Altman einen großen Filmemacher, es liegt somit sehr wohl eine Tragik im Tod eines alten Mannes. Mir bleibt jetzt nur mehr übrig alle kleinen Unzulänglichkeiten, die ich im Laufe der Jahre kritisiert habe wegzuwischen und zu vergeben, und mich für ihre Liebe und Sorgfalt dem Kino gegenüber zu bedanken. Farewell Mr. Altman, I'm gonna miss you very much!
Kurz Kritik
(3.5/5)
(3.0/5)
(4.5/5)
(3.5/5)
(2.0/5)
(4.5/5)
(4.0/5)
Dieses Film Review wurde von Alex Bielesch erstellt.


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